Christian Ulmen: Medienberichte korrigiert

Mehrere große Medien haben ihre Berichte über Christian Ulmen korrigiert. Zentrale Vorwürfe wurden offenbar falsch dargestellt. Erfahren Sie, wie es zu diesen Fehlern kam und welche Debatte über Medienverantwortung dadurch ausgelöst wurde.

4/3/20263 min read

In der Berichterstattung über die Vorwürfe von Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen zeichnet sich zunehmend eine Korrekturbewegung ab. Mehrere große Medienhäuser haben inzwischen frühere Aussagen angepasst oder richtiggestellt, nachdem sich zentrale Darstellungen als ungenau oder missverständlich herausgestellt haben.

Im Kern geht es um die Frage, welche konkreten Vorwürfe Fernandes tatsächlich erhoben hat – und wie diese in der medialen Berichterstattung interpretiert wurden. Zahlreiche Redaktionen hatten zunächst berichtet oder den Eindruck erweckt, Ulmen habe sogenannte Deepfake-Pornos seiner Ex-Frau erstellt oder verbreitet. Diese Darstellung wurde jedoch mittlerweile von mehreren Medien relativiert oder korrigiert.

Unter anderem veröffentlichten große Zeitungen wie die Zeit, die Süddeutsche Zeitung sowie Blätter der Funke Mediengruppe entsprechende Hinweise unter ihren Artikeln. Darin räumen sie ein, dass frühere Versionen ihrer Texte einen falschen Zusammenhang hergestellt hätten. Insbesondere sei suggeriert worden, dass Fernandes ihrem Ex-Mann die Erstellung oder Verbreitung von Deepfakes vorwerfe – was so nicht zutreffend sei.

Tatsächlich hatte Fernandes in einem Interview erklärt, dass sie Opfer von digital manipulierten Inhalten geworden sei, die sie zeigen sollen. Gleichzeitig erhob sie jedoch gesonderte Vorwürfe gegen Ulmen. Demnach soll dieser über Jahre hinweg Fake-Profile unter ihrem Namen betrieben und über diese Profile pornografisches Material verbreitet haben. Dabei handelt es sich laut ihrer Darstellung jedoch nicht zwingend um Deepfakes, sondern um Inhalte, die ihr lediglich ähnlich sehen oder den Eindruck erwecken sollten, sie selbst zu zeigen.

Die anfängliche Vermischung dieser beiden Aspekte – einerseits Deepfake-Inhalte im Internet allgemein und andererseits konkrete Vorwürfe gegen Ulmen – scheint maßgeblich zur fehlerhaften Berichterstattung beigetragen zu haben. Besonders eine Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ wird in diesem Zusammenhang als Ausgangspunkt genannt. Durch die Verbindung beider Themen in einem gemeinsamen Kontext sei bei vielen Lesern und offenbar auch bei anderen Redaktionen der Eindruck entstanden, es handle sich um denselben Sachverhalt.

In der Folge griffen zahlreiche Medien diese Interpretation auf und verbreiteten sie weiter. So war in verschiedenen Artikeln davon die Rede, Ulmen habe Deepfake-Pornos erstellt oder verbreitet. Auch öffentlich-rechtliche Formate übernahmen diese Darstellung zunächst. Erst nachträglich wurden entsprechende Passagen korrigiert oder entfernt.

Ein besonders prominentes Beispiel ist die Tagesschau: In einer Hauptnachrichtensendung wurde zunächst berichtet, Ulmen habe manipulierte Videos verbreitet. Diese Passage wurde später gestrichen. In einem Korrekturhinweis erklärte die Redaktion, es könne zuvor ein falscher Eindruck entstanden sein. Tatsächlich laute der Vorwurf, Ulmen habe Fake-Profile genutzt und darüber Inhalte verbreitet – nicht jedoch, dass er Deepfakes erstellt habe.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie sensibel der Umgang mit Verdachtsberichterstattung ist – insbesondere bei komplexen Themen wie digitaler Manipulation oder sexualisierter Gewalt im Internet. Fachleute weisen darauf hin, dass Medien in solchen Fällen besonders sorgfältig zwischen verschiedenen Vorwürfen unterscheiden müssen. Bereits kleine Ungenauigkeiten in der Formulierung können zu erheblichen Missverständnissen führen.

Auch die Nachrichtenagentur dpa hatte sich im Gegensatz zu vielen anderen Redaktionen zunächst zurückhaltend gezeigt. Sie begründete dies mit rechtlichen Anforderungen an die sogenannte Verdachtsberichterstattung. Demnach müssen konkrete Belege vorliegen, bevor schwere Anschuldigungen veröffentlicht werden. In diesem Fall sah die Agentur diese Voraussetzungen offenbar nicht ausreichend erfüllt.

Der Fall verdeutlicht damit nicht nur die Dynamik moderner Medienberichterstattung, sondern auch die Risiken, die entstehen, wenn Informationen zu schnell verbreitet oder unzureichend geprüft werden. Gerade bei emotional aufgeladenen Themen und prominenten Personen kann sich eine einmal etablierte Darstellung rasch verbreiten – selbst wenn sie auf Missverständnissen beruht.

Die nachträglichen Korrekturen zeigen zwar, dass journalistische Selbstkontrolle funktioniert, werfen jedoch zugleich Fragen nach den ursprünglichen Recherchen und der Sorgfalt vieler Redaktionen auf. Für die betroffenen Personen können solche Fehldarstellungen erhebliche Folgen haben – sowohl reputationsbezogen als auch rechtlich.

Insgesamt macht der Fall deutlich, wie wichtig präzise Sprache, klare Trennung von Sachverhalten und sorgfältige Prüfung von Quellen im Journalismus sind. Gerade im digitalen Zeitalter, in dem sich Informationen schnell verbreiten und Narrative rasch verfestigen, kommt diesen Prinzipien eine zentrale Bedeutung zu.

Quellen: Eigene Recherchen auf Basis von Berichten u. a. von Apollo News, Tagesschau, Die Zeit und Süddeutsche Zeitung.